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Herbst 2000 - Reisevorbereitungen - der erste Eindruck

Da der Abschluss unseres Studium der Sozialpädagogik in Verbindung mit einem praktischen Anerkennungsjahr steht, suchten wir im Sommer 2000 nach unserer Diplomprüfung einen Arbeitgeber, der uns zu diesem Zwecke beschäftigen wollte. Da wir uns einen Auslandsaufenthalt wünschten, klapperten wir entsprechende Inserate ab. Fündig wurden wir bei einem großen Jugendhilfeträger im Hochsauerlandkreis, der für intensivpädagogische Projekte in Island Mitarbeiter suchte. Nach dem Bewerbungsverfahren stand dann im Oktober 2000 fest, dass wir ab Dezember auf einer kleinen Farm im Norden Islands, genauer im Skágafjörður tätig sein sollten. Die Aufgabe bestand in der Betreuung und Lebensgestaltung gemeinsam mit drei Jugendlichen aus Deutschland, die aufgrund ihrer ungünstigen Sozialprognose eine Massnahme in Island angeboten bekamen. Finanziert werden solche Maßnahmen über den §35 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes des achten Sozialgesetzbuches.
< Endlich haben wir unser Übergepäck gefunden >
Mit uns gemeinsam sollte in den Anfangswochen eine weitere pädagogische Fachkraft tätig sein, die in den vorangegangenen Jahren die Arbeit auf der Farm begann.
Ohne Vorkenntnisse der Örtlichkeiten begannen wir fieberhaft mit unseren Vorbereitungen. Immerhin wollten wir 12 Monate auf dieser Insel leben und mussten in Deutschland zwei Wohnungen auflösen und uns von unseren Familien verabschieden. Die Zeit drängte.
Mit unserem Arbeitgeber handelten wir aus, dass uns dieser den Transfer von "Übergepäck" finanziert. Fest stand, dass wir vor Ort einen PC mit Internetanschluss haben wollten. In Ermangelung eines LapTop´s musste also eine große Kiste her um den ganzen Kram zu verstauen.
Alles in allem hatten wir mit Zeltausrüstung und sonstigem gut und gerne 200Kg zusammen. Abzüglich der 50 Kg Freigepäck während des Fluges mussten also 150Kg anderweitig nach Island gebracht werden. Nach einigen Telefonaten war klar, das ganze geht per Luftfracht mit Icelandair ging. Für unseren Arbeitgeber stellte diese Variante die komfortabelste und günstigste Lösungsmöglichkeit dar.
So ging es im dicksten isländischen Winter Anfang Dezember 2000 los.
Wir waren ob der Erwartungen und Befürchtungen ganz schön aufgeregt und ich hatte im Vorfeld schon einige "graue" Haare bekommen.
Nach einem angenehmen Flug mit Icelandair kamen wir nachmittags in Reykjavík an und erwarteten unser Gepäck. Doch ausser unserem Handgepäck und den beiden Reiserucksäcken kam nichts. Unser Frachtgepäck blieb verschollen und aus dem Lieferschein ging nicht hervor, wo es aufzufinden sei. Mein Gott, ohne die Englischkenntnisse von Anne wäre ich jetzt glatt verloren gewesen.
So fuhren wir erst einmal mit dem Chuttlebus von Keflavík nach Reykjavík und bezogen unser Zimmer in dem kleinen Gästehaus Jörð in der Skólavörðustígur 13a, direkt unterhalb der Hallgrimskirkjar. Noch am gleichen Abend begaben wir uns auf die Suche nach der Straße, in der angeblich unser Übergepäck zu finden sei. Vergeblich.
< Wintertristese am Tjörnin in Reykjavík >

Erst ein Anruf am nächsten Morgen ergab, dass jegliche Flugfracht nach Island erst einmal zu einer Frachtgutspedition in einem Vorort gebracht wird und bei Abholung den Zoll passieren muss. Da wir an diesem Tag mit dem Bus in den Skagafjord fahren mussten begaben wir uns nach einem typischen isländischen Frühstück mit Toast und Marmelade auf die Suche. Nach dem Bezahlen der Unterkunft brachte uns ein Taxi zur Spedition und siehe da, die Europalette stand unversehrt im Hochregal. Nur noch schnell die Zollpapiere stempeln lassen und weiter ging es mit dem Taxi und dem ganzen Gepäck zum zentralen Busbahnhof des BSÍ am Inlandsflughafen.
Es war Mittag durch und der Bus sollte um 15 Uhr starten. Anne war durch die Gepäcksuche ziemlich geplättet und so spazierte ich noch ein wenig durch die Dämmerung der isländischen Wintertage.
Nach einer stockdunklen Fahrt mit ersten Polarlichtern bei Blönduós kamen wir um 19 Uhr im Skágafjörður an.
Unsere Kollegin wartete dort schon mit zwei von den drei Kids, um uns in Empfang zu nehmen.

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