| |
|

       
Erlebnisbericht ISLAND
Arbeit auf einer Schaffarm - Schafe, Schafe, Schafe, Schafe....
Mitte Mai 2001hatten wir die Möglichkeit in den letzten Wochen
unseres Islandaufenthaltes auf einer Schaffarm mitzuhelfen. Anne hatte
über den Kirchenchor in Maelifell Kontakt zu Boggi, der weiter oben
im Fjord mit seiner Frau Gudrun und 3 Kindern die zweitletzte Farm
vor dem Hochland bewirtschaftet.
Im Mai ist immer Hochsaison bei den Schafzüchtern in Island, denn
da kommen die ganzen Lämmer zur Welt, die Anfang bis Mitte Januar
gezeugt wurden. Da Boggi alleine mit ca. 350 Muttertieren da gestanden
hätte und seine Frau auf die Kinder aufpassen musste, erklärten wir
uns kurzerhand bereit, ihm auf der Farm unter die Arme zu greifen. |
| < Großpapa Baldur und Boggi auf dem Farmgelände
> |
Der Weg, bzw. die Schotterpiste zu Boggi´s Farm
war jedesmal ein Abenteuer, welches wir mit dem alten Lada zu bewältigen
hatten. Unterwegs wurde die Straße ausgebessert und so musste so manche
abenteuerliche Stelle passiert werden.
Die Farm von Boggi unterscheidet sich nicht von den anderen Schaffarmen,
die wir in Island gesehen haben.
Das Farmgelände ist sehr weitläufig und wird auf der einen Seite von
dem Gletscherfluss Svárta begrenzt. Auf dem Gelände verteilt gibt
es drei Schaffställe die zumeist aus alten Blechschuppen und Torfsodenhäusern
bestehen. Durch das weitläufige Gelände und die frei herumlaufenden
Schafe gab es jede Menge zu tun. |
| < die Schafe haben viel Freilauf > |
Ständig mussten wir mit dem Auto oder dem Traktor
auf dem Gelände herumfahren und die Muttertiere beobachten. Sonderte
sich ein Schaf von der Herde ab, da wussten wir bescheid, dass die
Niederkunft kurz bevorstand. Bei den Schafen ist es leider nicht so,
dass sie ihre Lämmer ohne fremde Hilfe gebären.
Gerade bei den einjährigen Schafen muss man gut aufpassen. So kam
es des öfteren vor, dass ein Muttertier über die Weide lief und der
Kopf des Lammes schon hinten raus baumelte. In solchen Momenten kommt
es auf schnelle Hilfe an, bevor das Lamm erstickt ist. |
| < die Mutter leckt das Neugeborene sofort ab
- ein paar Minuten später hüpft dieses schon umher und trinkt
die erste Muttermilch > |
Dann liefen wir wie die Hasen über die Weide
und trieben das Muttertier in den Stall. Dort mussten wir dann meist
eine Frau aus dem Haus rufen, da schmale Hände bei der Geburtshilfe
wichtig sind. Ich habe das einmal versucht, bin aber nicht bis zu
den Beinen des Lammes vorgedrungen. Die beiden Vorderläufe müssen
nämlich immer zuerst aus dem Geburtskanal raus, damit es keine Verknotungen
gibt. Schaut nur ein Bein mit dem Kopf raus, oder gar keins, dann
muss man ganz vorsichtig nach den Beinen suchen und sie dann behutsam
rausziehen.
Es war immer wieder schön, wenn Anne es geschafft hatte, einem Lämmchen
auf die Welt zu helfen. Meistens bekommen die Muttertiere zwei Lämmer
(Zuchtziel) und man fühlt und tastet bei der Mutter, ob noch ein weiteres
Lämmchen kommt. |
| < Baldur hat seine Lämmer sichtlich lieb
- lebendig und als Lammrücken > |
| Liegt es erst mal im Heu, dann befreit man den
Mund vom Schleim und klopft beherzt auf den Brustkorb, damit es anfängt
zu Atmen. Das Muttertier fängt dann normal sofort damit an, das Lämmchen
trocken zu lecken. Gibt es da mal Probleme, dann hält man die Mutter
so lange beim Lämmchen fest, bis sie anfängt zu lecken oder in extremen
Fällen muss man die Mutter festbinden, damit sie nicht vor dem Lämmchen
weglaufen kann. Nach ein paar Minuten steht das Lämmchen schon auf
und sucht bei der Mutter den Euter zum trinken. Ist alles OK,
dann wedelt das Schwänzchen wie verrückt. |
| < bei Regenwetter macht die Arbeit richtig
Spaß > |
| Nach ein paar Tagen, wenn die Lämmer schon gestärkt
sind, werden die Muttertiere mit ihren Lämmern eingepfercht und die
Lämmer werden markiert. hierzu bekommt jedes Lamm eine Kunststoffplakette
ins rechte Ohr und die entsprechenden Zeichen ins Ohr geschnitten. |
| < die frischmarkierten Lämmer suchen sofort
ihre Mütter > |
| Das sieht zwar böse aus und blutet recht stark,
aber es scheint den Lämmern nicht weh zu tun. Nach ein paar Wochen
dann, wenn alle Lämmer gestärkt sind werden die Herden frei gelassen
und ins Isländische Hochland getrieben. Dort bleiben sie bis zum September
und haben Zeit, sich das nötige Gewicht anzufressen. |
| < irgendwie war es s..kalt - wie halten das
die Lämmer nur aus > |
Im September/Oktober geht das Spielchen von neuem
los und mit dem großen Schafabtrieb aus dem Hochland und dem Zusortieren
zu den einzelnen Farmen beginnt die Schlachtsaison.
Zwischendurch haben die Farmer genug damit zu tun das Gras zu schneiden
und in Rollen zu pressen. Da hilft oft der eine dem anderen aus und
es wird dank der Sommernacht rund um die Uhr gearbeitet. |
| < Großpapa Baldur beim nachmittäglichen
Kaffitrinken - im Hintergrund der gute Telefunken Weltempfänger
> |
| Zwischendurch verdient sich Boggi noch ein paar
Kronen damit, dass er im Hochland Weidezäune repariert oder im Straßenbau
Bagger fährt. Das isländische Leben ist teuer für eine Farmerfamilie,
so bekommt Boggi für ein Lamm ca. DM 80,- in der Schlachtsaison. |
| < das Farmgelände ist sehr weitläufig
> |
| Bis dahin hat er schon ca. DM 50,- an Futter
und Investitionen hineingesteckt. Hinzu kommt das recht einsame Leben
im Fjord. Es sind immerhin 50Km bis zur nächsten Tankstelle und 2h
Fahrtzeit bis nach Akureyri. |
| < dies sind Boggi und seine Frau Gudrun mit
den Kinder Sarah, Rosa und Simon-Petur > |
Es war eine herrliche Erfahrung für uns, das
isländische Farmleben miterleben zu dürfen und können dies jedem weiterempfehlen,
der Island einmal auf andere Art erfahren möchte. Die Farmer sind
gerne bereit einen für Kost und Logis zu beherbergen.
Anne Schaus + Volker Lambert
® 2002 |
|
|
|